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Businessplanung im Einzelhandel

18.05.2018 | Blog, Planung

Die Digitalisierung gehört derzeit vermutlich zu den größten Herausforderungen im Einzelhandel. Online-Marktplätze fordern etablierte Händler heraus. Doch der Kunde will beides: Komfortable Online-Shops und einen angenehmen Einkaufserlebnis vorort im Laden mit ansprechender Warenpräsentation, Beleuchtung und Wohlfühlambiente. Gar nicht so leicht, überall zu sein und das auf hohem Niveau. Einzelhändler mit mehreren Filialen und Standorten haben also selbst bei mittlerer Betriebsgröße häufig komplexe Strukturen und Herausforderungen zu managen: Neben der Personal- und Verkaufsplanung für die einzelnen Filialen gilt es auch den Überblick über Immobilien, Mietverträge und Zukunftsinvestitionen zu behalten. Wie das funktioniert und Digitaliserung gelingen kann, erklären wir Ihnen an einem Fallbeispiel.

Herausforderungen im Einzelhandel

Veränderte Einkaufsprozesse und neue Geschäftsmodelle unterbinden zunehmend die klassische Customer Journey. Das Ziel muss es also sein, den Spagat zwischen online und offline zu schaffen und das beste aus beiden Welten zu verbinden. Die Drogeriemarktkette dm beispielsweise plant eine eigene App, die es Kunden möglich machen soll, mobiles Selfscanning über ihr Smartphone zu nutzen. „Digitalisierung ist mehr als nur Online-Shop“, sagte dm-Chef Erich Harsch Ende 2017. Und auch mehr als eine App, sagen wir.

Denn für die erfolgreiche digitale Transformation braucht es vor allem drei Dinge:

  1. Mut zur Transformation
    Um im derzeitigen Wettbewerb zu bestehen, brauchen stationäre Einzelhändler nicht nur bedingungslose Kundenorientierung, sondern auch Gespür für Trends, Kreativität sowie den Mut und die Tatkraft, neue Konzepte zu planen und umzusetzen.
  2. Investition in innovative IT-Systeme
    IT-System und Anwendungen bilden die technologische Basis für die digitale Transformation.
  3. Ganzheitliches Denken, Vernetzung von Kompetenzen
    Digitalisierung erfordert eine ganzheitliche Veränderung des Unternehmens und seiner Geschäftsprozesse. Denn alle Bereiche entscheiden über Erfolg oder Misserfolg der digitalen Transformation. Ob Einkauf, Vertrieb, Marketing, Controlling, IT und Personal: Alle müssen an einem Strang ziehen.

Fallbeispiel: Reischmann Mode + Sport

Reischmann Mode + Sport kann beispielhaft für diesen unternehmerischen Ansatz stehen: 1860 als Geschäft für Landhausbedarf in Ravensburg gegründet, beschäftigt das Familienunternehmen heute in der vierten Generation mehr als 1. 000 Mitarbeiter.

Bereits Anfang der 2000er Jahre begann mit der Eröffnung von Trend- und Markenstores und über Kooperationen mit führenden Modelabels die Neuausrichtung und Expansion. Sortiment und Kompetenzen wurden erweitert, neue Standorte erschlossen. Das heutige Konzept basiert auf den drei Säulen: Mode, Trend und Sport. Auf insgesamt über 40.000 m2 Verkaufsfläche in Ravensburg, Memmingen, Kempten und Ulm will Reischmann Orte der Inspiration und Begegnung schaffen. Kunden sollen sich hier wohl fühlen und gute Beratung bekommen. Daneben betreibt das Unternehmen einen eigenen Sport Webshop.

Vorrausschauende Planung ist wichtig. Reischmann setzt daher auf ein integriertes Businessplanungssystem, über das inzwischen die gesamte Unternehmensfinanzplanung abgewickelt wird. Monatlich werden interne Reportings erstellt und ausgewertet.Das System erlaubt Abweichungsanalysen und Prognosen.

Die Simulationsfunktion ermöglicht auch eine Szenario-Betrachtung. Bei künftigen Investitionsplanungen etwa können verschiedene Varianten und daraus resultierende Folgen vorab verglichen werden, um dann die für das Unternehmen beste Entscheidung zu treffen.

Mit Hilfe des integrierten Vertrags- und Kreditsystems lassen sich alle Verträge im Hause, ob Mietverträge, Leasing- oder Kreditverträge, abbilden und verwalten.

Schwerpunkt: Personalplanung

Investitionen in Qualifizierung sind überlebensnotwendig, damit Personal im digitalen Zeitalter Erfolgsfaktor bleibt. Reischmann widmet daher der Weiterbildung, Entwicklung und Performance der Mitarbeiter besondere Aufmerksamkeit. Die Hausleiter haben jeweils Zugriff auf die GuV sowie das Personalsystem ihres Hauses, können mögliche Planabweichungen frühzeitig erkennen, analysieren und darauf reagieren.

Automatische Konsolidierung erleichtert den Konzernabschluss

Das Wachstum der vergangenen Jahre bedeutete für das Unternehmen Reischmann nicht nur eine Erweiterung der Standorte und eine signifikante Erhöhung der Mitarbeiterzahlen – auch die Anzahl der Geschäftseinheiten (Legal Entities) stieg. Derzeit sind zusätzlich zur Reischmann GmbH & Co. KGaA auch die Filialen GmbH & Co. KG, die Verwaltungs GmbH, die Reischmann Geschäftsführung GmbH & Co. KG sowie zwei Immobilienunternehmen zu verwalten. Für die jährliche Erstellung der Bilanz müssen die Daten aller Geschäftseinheiten konsolidiert werden. Dafür war – wie zuvor für die Finanzplanung – die Unterstützung des externen Steuerberaters notwendig. Auch in diesem Bereich agiert die Reischmann-Gruppe heute autark und flexibel mit entsprechender Konsolidierungs-Software.

Das Beispiel zeigt: Digitalisierung verschiedener Prozesse und Geschäftsbereiche kann die Position im hart umkämpften Einzelhandel entscheidend verbessern und Erfolg planbar machen. Dafür braucht es den Willen Veränderungen anzugehen, innovative IT-Konzepte und die Vernetzung aller beteiligten Bereiche und Kompetenzen.